Wie J. seine Legasthenie besiegte

 

Mit dem Übertritt ins Gymnasium war er plötzlich da: „Der Legasthenie-Drache“.

Bis auf eine leichte Leseschwäche war bisher nichts auffällig gewesen und so fielen wir völlig aus den Wolken, als in der fünften Klasse in Bezug auf Rechtschreibung plötzlich das reine Chaos herrschte. Ein Test bescheinigte eine Legasthenie und fortan musste J. an einem Förderkurs in der Schule teilnehmen, der ihn zusätzlich sehr belastete. Hier wurden bis zum Umfallen Rechtschreibregeln geübt. Es gab Übungen für zu Hause und Kritik, als sich nach zwei Monaten keine Besserung einstellte. Wir sahen schnell keinen Sinn in dieser Nachhilfe und suchten nach einer außerschulischen Unterstützung.

 

 

Auf der Suche nach Literatur im Internet stieß ich auf das Buch „Legasthenie als Talentsignal“ von Ronald D. Davis und erfuhr dort auch, dass es die Möglichkeit gibt, in Hamburg eine solche Therapie machen zu können. Beim Lesen des Buches wurde sehr deutlich, warum die klassische Nachhilfe überhaupt nichts bewirken konnte. Ich war sofort begeistert, erkannte mein Kind in den meisten Schilderungen wieder – und das Wichtigste: Ich verstand J. endlich. Ich konnte aufhören wütend zu sein über seine Flüchtigkeitsfehler, seine Schwierigkeiten mit dem Umgang von Raum und Zeit, seine Leseschwäche und meine Hilflosigkeit.

Wir vereinbarten einen Termin im Legasthenie-Institut in Hamburg und waren sehr gespannt, was uns erwarten würde. J. war einfach hoffnungsfroh, dass es eventuell eine Möglichkeit gab, sein Problem innerhalb einer Woche in den Griff zu bekommen.

 

Das Informationsgespräch bestätigte uns noch mehr, auf dem richtigen Weg zu sein, und somit entschieden wir uns dafür, J. für die Therapie anzumelden, zumal auch er hochmotiviert war und bereit, mitzuarbeiten. Sicher haben wir uns auch Gedanken gemacht über die Kosten, aber wir empfanden sie als dem Aufwand entsprechend angemessen und glaubten fest an den Erfolg, und der war wichtiger als alles andere. J. für eine Woche aus der Schule zu nehmen, war überhaupt kein Problem. Die Schule zeigte sich offen für diese Eigeninitiative.

 

Ein halbes Jahr nach der Legasthenie-Diagnose war es dann soweit.

 

 

Am Anfang wurden Leseproben aufgezeichnet und kleine Diktate geschrieben, um später einen Vergleich zu haben. Diese waren, wie wir sie kannten: Voller Fehler! Nun lernte J. verschiedene Techniken und Werkzeuge kennen und wie er sie anwenden kann. Es war faszinierend! Von Tag zu Tag verbesserte sich das Vorlesen und er machte immer weniger Fehler in den Diktaten. Ich verstand zwar, was und warum es wie geschah, aber noch heute fällt es mir eher schwer, in Worte zu fassen, was dort mit J. passierte. Es ist unser „kleines Wunder“.

Die Zusammenarbeit von J. mit seinem Therapeuten war sehr intensiv. Ich habe mein Kind noch nie so konzentriert erlebt, noch nie so motiviert und noch nie so müde am Abend. :o)  

Die Leseproben zum Ende der Therapie zeigten eine immense Verbesserung und die Diktate wiesen kaum noch Fehler auf. Ich lernte nun, wie ich J. mit bestimmten Übungen alleine weiter unterstützen konnte und wir wurden wieder in den Alltag entlassen. 

J. hat sich in dieser Woche sehr verändert. Er ist viel selbstbewusster geworden und war sehr glücklich, endlich zu wissen, was er tun muss, um den “Legasthenie-Drachen“ zu besiegen. Wir übten noch ein paar Wochen weiter, doch der währende Erfolg ermutigte J., irgendwann zu sagen, dass er die Übungen nicht mehr brauche. 

 

Kurz nach unserer Therapie-Woche gab es an der Schule von J. für alle Fünftklässler einen Vorlese-Wettbewerb. Er hat als bester Junge in seiner Klasse abgeschnitten und war insgesamt Drittbester seiner Klasse. Ich muss hier nochmal betonen, dass dies vor der Therapie undenkbar gewesen wäre. J. wäre mit Bauchschmerzen in diesen Wettbewerb gegangen und hätte sich vor der gesamten Klasse blamiert. Es gab natürlich ein Riesenlob von der Lehrerin und J. war sehr, sehr stolz. Seine Rechtschreibung in der Schule verbesserte sich nach und nach von der Note 5-6  auf die Note 3. Und sie verbessert sich weiter, da sind wir sicher.

 

Vielen, vielen Dank an Ronald D. Davis und im Besonderen an unserem Davis-Therapeuten für seine unvergleichlich einfühlsame Art, für den Glauben an J. und seine Fähigkeiten. Ich weiß ehrlich nicht, wo wir heute sonst wären...

 

 

Ulrike M.U. aus Schleswig-Holstein 

(Bitte haben Sie Verständnis dafür, dass wir mit den persönlichen Daten vertraulich umgehen. Alle persönlichen Rückmeldungen liegen uns im Original vor und können selbstverständlich überprüft werden).

 

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Anmerkung der Redaktion: Alle Lese- und Rechschreibtests nach den Proben wurden mit neuen, mindestens genauso schwierigen, unbekannten und daher auch ungeübten Texten durchgeführt...

 

 

 

 

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