Legasthenie und Intervention

Legasthenie, sofern sie als Problem betrachtet wird, was zu überwinden gilt, und nicht nur als Indiz für eine unterschiedliche Wahrnehmungs- und Denkweise, kann einerseits dann behandelt werden, sobald sie untrüglicherweise vorliegt; andererseits wäre für alle Beteiligten und Betroffenen das Wünschenswerteste, dass Legasthenie so früh wie möglich in ihrer Entstehung erkannt, abgefangen und idealerweise aufgelöst wird.

 

Sicherlich ist das Vorteilhafteste für alle, dass Legasthenie gar nicht erst entsteht, sondern sowohl ihr als auch Lernproblemen allgemein jegliche Entstehungsvoraussetzungen präventiv entzogen werden.

Persönlich bin ich der bestätigten Überzeugung, dass Legasthenie nicht entstehen muss, wenn Lesenlernen in seiner Komplexität und Natürlichkeit durchdrungen wird und Schüler die individuell fruchtbare Leselernmethode nutzen. Nichtsdestotrotz, solange solches Lernen und solche lückenlose Prävention noch nicht überall angekommen sind, ist das Nächstbeste, Legastheniebehandlung so früh wie möglich, d.h. sobald sich Legasthenie irgendwie zeigt, anzugehen.

 

Forscher von drei Universitäten (University of California, Davis and Yale University) stellten anhand der Ergebnisse einer Studie fest, dass es sehr wohl möglich zu sein scheint, schon in der ersten Klasse zu intervenieren, damit eine künftig mögliche Lücke in Leistungsunterschieden geschlossen werden kann.

 

In einer Langzeitstudie fürs Lesen von der ersten bis zur zwölften Klasse zeigten untersuchte legasthenische Leser – verglichen mit üblichen Lesern – schon in der ersten Klasse niedrigere Leseleistungen. Damit kann die Schlussfolgerung gezogen werden, dass Legasthenie nicht (nur) auf Unterschiede zurückzuführen ist, die mit der Zeit wachsen und sich ausweiten, sondern dass solche Unterschiede schon im Alter der ersten Klasse vorliegen.

 

"Wenn die anhaltende Leistungslücke zwischen Legasthenikern und typischen Lesern eingegrenzt oder sogar geschlossen werden sollte, müssen Lese-Interventionen frühzeitig umgesetzt werden, während also die Kinder noch das Fundament des Leseerwerbs entwickeln", sagte Emilio Ferrer, ein UC Davis Professor für Psychologie. Er ist Hauptautor des im Journal of Pediatrics veröffentlichten Artikels (November 2015).

ADHS, Medikamente, Schlaf und die Folgen

In der Frage, ob Medikamente zur ADHS-Behandlung den Schlaf der Betroffenen beeinträchtigen, nahmen Forscher bisher unterschiedliche Einflüsse an. Manche Forscher fanden, dass solche Substanzen störend auf den Schlaf wirken können, insbesondere, wenn sie zu einer späteren Tageszeit eingenommen werden. Andere wiederum behaupteten, dass diese Medikamente die Schlaffähigkeit verbessern.

Aufgrund solcher unterschiedlichen Ergebnisse wurde von der Universität von Nebraska-Lincoln eine Meta-Analyse durchgeführt. Für Timothy Nelson, der an der Studie beteiligt war, ist eine solche Meta-Analyse sehr nützlich. Im Wortlaut: „Beim Zusammenführen und Zusammenfassen vergangener Forschung auf eine gründliche und statistische Weise können wir die Hauptergebnisse aller relevanter Studien identifizieren. Dies ist also eine Studien-Studie.“

 

Die eingehende Untersuchung wurde anhand objektiver Kriterien durchgeführt und nicht von Berichten von Eltern beeinflusst . Es wurden also Ergebnisse von klinischen Schlaf-Studien berücksichtigt, die mit Hilfe von Armband-Kontrollgeräten erfasst wurden. Die Ergebnisse zeigten, dass sowohl Ritalin als auch Amphetamine wie Adderal Schlafprobleme verursachen. Das Fazit der Forscher aus Nebraska (veröffentlicht am 23. November 2015 im Journal Pediatrics) für Mediziner, die alle Pros und Kontras solcher Stimulanzien berücksichtigen wollen, lautet: „Die Möglichkeit, den Schlaf zu stören, sollte ein Teil der Kosten-Nutzen-Analyse solcher Stimulanzien sein.“

 

Gut zu wissen, da guter Schlaf so unentbehrlich ist; zumal sich in dem Erleben von jedem von uns zeigt, dass vor aller Einnahme von Medikamenten in ADHS-Fällen, aber auch im allgemeinen, also unabhängig von ADHS, schlechter Schlaf oder wenig Schlaf zu verstärkter Müdigkeit und Reizbarkeit führt. Beides starke Ursachen für Vieles, doch im vorliegenden Kontext vor allem für eine schwächere oder beweglichere Aufmerksamkeit.

 


Einsichten aus der Forschung – Regelmäßig:

www.tzivanakis.com/deutsch/einsichten-aus-der-forschung-1

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